Mit PA.LE Café haben Sofia und Chris in Bad Königshofen einen Ort geschaffen, der weit mehr ist als ein klassisches Café. Hier treffen regionale Produkte auf kreative Ideen, Pop-up-Stores auf Begegnungen und Nachhaltigkeit auf gelebte Gastfreundschaft. Im Interview erzählen uns die beiden, wie die Idee zu ihrem besonderen Konzept entstanden ist, welche Rolle Regionalität und Nachhaltigkeit im Alltag spielt und welche Wünsche sie für die Zukunft haben.
Wie ist die ursprüngliche Idee zu PA.LE Café entstanden und was war euer Antrieb, dieses Konzept ins Leben zu rufen?
Die Idee zu PA.LE Café entstand aus einer Kombination verschiedener Leidenschaften: der Wunsch, leerstehende Räume mit Leben zu füllen, die moderne Idee von Pop-up-Stores und unsere Liebe zu kleinen, besonderen Cafés mit Wohlfühlatmosphäre. Wir wollten einen Ort schaffen, der Menschen zusammenbringt, regionale Kreativität sichtbar macht und Raum für Begegnungen bietet. Aus dieser Vision ist PA.LE entstanden – ein Café, das weit mehr sein möchte als nur ein Ort für Kaffee und Kuchen.
Wie sieht Nachhaltigkeit und Regionalität bei euch ganz konkret aus – was macht ihr im täglichen Betrieb anders?
Nachhaltigkeit beginnt für uns bei den kleinen Dingen des Alltags. Wir versuchen, Einwegprodukte so weit wie möglich zu vermeiden und freuen uns immer über die individuellen To-go-Becher unserer Gäste. Auch unsere Öffnungszeiten sind bewusst gewählt: Durch die zusammenhängende Öffnung von Freitag bis Montag können wir Waren effizienter planen und Lebensmittelverschwendung reduzieren.
Alle Frühstücksvarianten, Snacks und Getränke werden frisch zubereitet. Das bedeutet manchmal ein paar Minuten mehr Wartezeit, sorgt aber gleichzeitig für weniger Abfall und mehr Qualität. Auch beim Einkauf achten wir konsequent auf nachhaltige Verpackungen und ressourcenschonende Lösungen.
Regionalität ist ein zentraler Bestandteil unseres Konzepts. Besonders sichtbar wird dies durch unsere Pop-up-Stores, mit denen wir regionalen Unternehmerinnen und Unternehmern eine Plattform zum Wachsen und Ausprobieren bieten. Obwohl Anfragen sogar aus Hamburg oder Berlin bei uns eingehen, liegt unser Fokus bewusst auf unserer Heimatregion.
Darüber hinaus beziehen wir viele Produkte direkt aus der Region – beispielsweise die Lupinen für unseren Lupinenkaffee oder die Saftreduktionen für unsere hausgemachten Limonaden. Viele weitere Zutaten wechseln saisonal und orientieren sich an dem, was die Region gerade bietet.
Welche Hürden musstet ihr überwinden, um nachhaltige und regionale Konzepte zu realisieren?
Die größte Herausforderung lag tatsächlich vor der Eröffnung. Die erforderliche Nutzungsänderung brachte einen erheblichen bürokratischen Aufwand mit sich, verbunden mit unerwarteten Kosten und teilweise fehlender Erfahrung der zuständigen Stellen mit unserem Konzept.
Trotz mancher Hürden haben wir uns nicht entmutigen lassen. Rückblickend hat uns dieser Weg gelehrt, geduldig zu bleiben, kreative Lösungen zu finden und noch entschlossener für unsere Vision einzustehen. Heute sind wir stolz darauf, diesen Schritt gegangen zu sein.
Wie wird euer Angebot in der Region angenommen, wie ist das Feedback?
Das ist eine spannende Frage, die wir tatsächlich unterschiedlich beantworten würden.
Chris:
Das Feedback unserer Gäste ist überwiegend positiv. Viele Menschen entdecken unser Café eher zufällig und sind sofort begeistert von der Atmosphäre und dem Konzept. In unserer Region brauchen neue Ideen manchmal etwas länger, um anzukommen. Aber genau das macht es umso schöner, wenn Menschen sich darauf einlassen und wiederkommen.
Sofia:
In der unmittelbaren Region wurde unser Konzept anfangs eher zurückhaltend angenommen. Umso mehr freut es uns, dass viele Gäste regelmäßig aus Würzburg, Nürnberg, Meiningen und anderen Orten zu uns kommen. Nach drei Jahren PA.LE dürfen wir inzwischen zahlreiche Stammgäste fast jedes Wochenende begrüßen – das erfüllt uns mit großer Dankbarkeit.
Was unser Café für uns besonders macht, sind die Menschen. In den vergangenen Jahren durften wir unzählige inspirierende Begegnungen erleben. PA.LE ist ein Ort der Willkommenskultur geworden – unabhängig davon, in welcher Lebenssituation sich unsere Gäste befinden. Hier darf gelacht, geredet, geschwiegen, gefeiert oder auch getrauert werden.
Genau das macht PA.LE für uns zu einem zweiten Wohnzimmer: für dich, für mich und für alle, die bei uns Platz nehmen.
Natürlich gab es auch kritische Rückmeldungen. Diese sind wichtig, denn nur so können wir uns weiterentwickeln. Entscheidend ist dabei immer, wie Feedback formuliert wird und mit welcher Absicht es gegeben wird.
Besonders berührt hat uns eine Situation, in der eine Mitarbeiterin durch eine unangemessene und persönliche Bewertung angegriffen wurde. Unsere Community hat daraufhin unglaublichen Zusammenhalt gezeigt und die betreffende Rezension gemeldet, bis sie entfernt wurde. Das hat uns einmal mehr gezeigt, wie wertvoll die Menschen sind, die PA.LE begleiten.
Kritik an uns als Unternehmer können wir aushalten. Doch wenn Familie oder Mitarbeitende unfair behandelt werden, stehen wir selbstverständlich schützend an ihrer Seite.
Habt ihr noch weitere Pläne, euer Engagement für Regionalität und Nachhaltigkeit auszubauen?
Definitiv. Aktuell befinden wir uns mitten im Prozess der Bio-Zertifizierung für unser Café – ein wichtiger Schritt, auf den wir uns sehr freuen.
Gleichzeitig wachsen auch unsere anderen Projekte. Seit dem 1. Januar 2026 hat Chris die Rösterei Rhön Kaffee in Maria Bildhausen übernommen. Das ist eine große und verantwortungsvolle Aufgabe, denn Herr Bühner hat dort über viele Jahre ein beeindruckendes Unternehmen aufgebaut. Glücklicherweise unterstützt er weiterhin als Röstmeister und sorgt gemeinsam mit uns für höchste Kaffeequalität.
Neben PA.LE und der Rösterei arbeitet Sofia als Leitung einer Wohneinrichtung für Menschen mit Beeinträchtigung. Dazu kommen unsere beiden Kinder sowie verschiedene ehrenamtliche Engagements.
Trotzdem entwickeln sich immer wieder neue Ideen – oft sogar gemeinsam mit unseren Gästen. So entstand beispielsweise unser Café-Catering auf Anregung von PA.LE-Besuchern. Solche Impulse zeigen uns, wie lebendig und gemeinschaftlich unser Konzept geworden ist.
Was wünscht ihr euch für die Zukunft – sowohl für euer Unternehmen als auch für nachhaltige und regionale Konzepte in der Gastronomie?
Für unser PA.LE wünschen wir uns vor allem, weiterhin jeden Tag genügend Gäste begrüßen zu dürfen, um regionalen Pop-up-Stores eine attraktive Plattform zu bieten und unseren Mitarbeitenden sichere und erfüllende Arbeitsplätze zu ermöglichen.
Besonders freuen wir uns über die positive Entwicklung unseres Caterings. Mittlerweile verfügen wir über eine Ape, einen Camper und eine mobile Theke, sodass wir sogar mehrere Veranstaltungen gleichzeitig begleiten können. Dieses Wachstum darf gerne Schritt für Schritt weitergehen – nachhaltig, gesund und mit Freude.
Ebenso stolz sind wir auf unser Team. Ein wertschätzendes und nachhaltiges Personalmanagement liegt uns sehr am Herzen. Unsere Mitarbeitenden sind ein wesentlicher Teil dessen, was PA.LE ausmacht, und wir freuen uns darauf, gemeinsam weiterzuwachsen.
Mit Spannung erwarten wir außerdem die erfolgreiche Bio-Zertifizierung unseres Cafés.
Für die Gastronomie insgesamt wünschen wir uns mehr Miteinander und weniger Konkurrenzdenken. Weniger Neid, mehr Gemeinschaft. Wenn Betriebe sich gegenseitig unterstützen, profitieren am Ende alle – die Unternehmen, die Gäste und die gesamte Region.
Darüber hinaus hoffen wir auf eine positive wirtschaftliche Entwicklung und eine steigende Kaufkraft. Denn Regionalität und Nachhaltigkeit können sich besonders dann entfalten, wenn Menschen die Möglichkeit haben, bewusst einzukaufen und lokale Angebote zu unterstützen.



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